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7. Oktober 2001: Als Ergebnis der Diskussion konnte festgelegt werden: Dabei soll nicht vom technisch Möglichen ausgegangen werden, sondern utopische Kommunikationsformen sollen erdacht und erprobt werden. Als erster Schritt wurde festgelegt, dass die bestehenden medialen Kommunikationsformen vor einem sozial-politischen Hintergrund analysiert werden sollten. Einigkeit konnte über das Ziel unserer Bewegung
erreicht werden: das Schaffen einer Welt, in der keine produzierte Ungleichheit
herrscht. Folgender Text wurde von einem Kollektivmitglied
so oder ähnlich vorgetragen: "Der Grund für soziales Handeln ist Erkenntnis.
Wer bin ich? Diese Grundsatzfrage der Selbsterkenntnis ist unmittelbar
mit der Spiegelsituation verknüpft: Dieses sich selbst sehen bedeutet
die erkennende Aufspaltung von Sehen und Gesehnem. Denn in keiner anderen
Szene kann das Gesehene vom Sehenden so gut unterschieden werden wie im
Spiegelbild. Dies bin ich: sehend und gesehen. Sehender und Gesehnes.
Selbsterkenntnis setzt die Spiegel-Situation sozusagen tautologisch voraus.
Das Perspektivische ist Grundbedingung aller Wahrheit. Die zweite Erkenntnis der Spiegel-Situation wird gezeitigt,
wenn zu dem Sich-selbst-Erkennenden ein Zweiter hinzutritt. Das Recht des anderen ist also meinem gleichwertig!" Das vortragende Kollektivmitglied blickte hier auf und erklärte, dass er sich von dieser erkenntnistheoretischen Einsicht eine vollkommene Politisierung erhoffe. Polemisierend wurde ihm entgegengehalten, dass es sich hier wohl um die Einhauchung des Heilige Geist der Aufklärung in den Körper des Adepten handele... Der Vortragende ließ sich von dieser abfällig scherzenden Bemerkungen keineswegs ins Bockshorn jagen, sondern sprach weiter von einem "vollkommenen Prozess der Politisierung" bis hin zur Bereitschaft für den bewaffneten Kampf. Ihm wurde widersprochen: nicht die Gewalt der Waffen bestimme unsere Welt, sondern die Ökonomie und die mit ihr verknüpften Kommunikationsstrukturen der Massenmedien. Folgendes wurde beschlossen: Zum nächsten Treffen sollten Vorschläge gemacht werden, wie die Resultate der NEUEN METHODE zu kommunizieren seien. Welche Möglichkeiten des Kommunizierens der Resultate der NEUEN METHODE könnten erprobt werden? 4. November 2001: Das Problem: Die Möglichkeit der bewusstseinsverändernden Wirkung von Kunst ist abhängig von ihrer Verbreitung, wenn auch nicht proportional zu ihr. Massenmediale Existenz bedeutet aber immer: Inhalte zur Ware zurichten. Denn: Massenmedial hat nur das Produkt ein Chance. Gibt es andere Möglichkeiten der Kommunikation als das Zurichten unserer Arbeit zu marktgerechten Produkten? Ziel könnte es sein, eine andere Form für den Einsatz von Video/Film zu entwickeln, eine Präsentationsform der Filme, die nach der NEUEN METODE entstanden sind. Die Suche gilt einer Innovation, die aber nicht um ihrer selbst willen neu und anders sein will. Sie ist notwendig anders. Angestrebt wird der Einsatz von Technik, in der die zwischenmenschliche Kommunikation intensiv, gleichwertig und wechselseitig ist. Heutzutage gebräuchliche Formen des Einsatzes medialer Technik, sind teilweise kommunikationsfeindlich. Exkurs: Der Markt gestaltet bei uns den Einsatz der Medien. Die Medien kann man nicht dem Gewinnstreben eines Einzelnen oder einer auf Bereicherung angelegten Lobby überlassen. Demokratie bedeutet, dass die Medien demokratisch sind,
das heißt: jeder die Möglichkeit zum Senden hat. Sind viele kleine Gruppen (15-40 Personen) für wirkliche wechselseitige Kommunikation nicht geeigneter als ein einziges unstrukturiertes Massenpublikum?
Um die Notwendigkeit der Erprobung neuer Formen der Kommunikation zu überprüfen, betrachten wir den Status quo des Einsatzes der Medien, im Hinblick auf ihre Kommunikationsstruktur: Massenhaft verbreitet, gibt es vor allem drei verschiedene Arten audio-visueller Medien zu konsumieren. I. TV Da hier von der Kommunikationsstruktur ausgegangen wird, wird zwischen TV allein und TV mit Verwandten und Freunden unterschieden. Kommunikationsmodell:
TV allein Unser Einsamer ist unter Umständen dafür sehr anfällig, weil er unglücklich ist. Er denkt, ach, wenn ich das hätte, wäre ich
nicht so einsam. Wäre Sehnsucht unmittelbar auf ein verkaufbares Ding lenkbar, würde diese Technik alle anderen Arten der Werbung in die Tasche stecken. Kapitalismus könnte man auch als den gesellschaftlichen Zustand eines massenweise gescheiterten Selbstbewusstseins verstehen. Nur mit der Sucht des Konsums kann eine Identität mühsam aufrecht erhalten werden. Kommunikationsmodell: TV - gemeinsam Häufig ist der Fernseher ein Kommunikationsverhinderer.
Er wird gerade deshalb eingesetzt, um Kommunikation zu vermeiden, "damit
man nicht miteinander reden muss". In einer Kneipe ist deshalb unter Umständen die Kommunikation freier, wenn auch durch die Umwelt, Musik etc. behindert. Weitere schwer scharf voneinander abzugrenzende Situationen: A) Das gemeinsame Erlebnis eines Filmes (dem Kinoerlebnis
nicht unähnlich). Es bleibt zu bemerken, dass das TV sehr verschiedene Kommunikationssysteme schafft und sehr flexibel einzusetzen ist. Kommunikationsmodell: Kino Freunde, die miteinander ins Kino gehen und danach diskutieren, erlösen die manipulative One-Way-Communication zu einem Gespräch. Kino wird in seiner künstlerischen Bedeutung allgemein überschätzt. Kommunikationsmodell: Videospiel Hierzu: Der Tag, an dem ich die Welt verstand Allgemein wird heute gelehrt, dass der Raum hinter den
Dingen leer sei. Diese Leere hinter den Bildern macht uns einsam. Wir
suchen das große Subjekt hinter aller Erscheinung, doch wir können
es nicht finden. Das Subjekt, das wir hinter dem interaktiven Computerbild
zu spüren meinen, besteht aus nichts als elektronischen Schaltungen.
Und doch sind die Menschen so einsam, dass sie Trost suchen bei den Maschinen.
Die größte Tröstungsmaschine der zweiten Hälfte des
letzten Jahrhunderts war der Televisor (TV). Da es sich bei ihm um ein
OWCO (one-way-communicator) handelte, wurde er gerne und oft mit einem
Haustier kombiniert. Ein Hund ist interaktiv. Der Mensch der zweiten Hälfte
des letzten Jahrhunderts war also dazu gezwungen, seinen emotionalen Haushalt
mit Hilfe von zwei Communikatoren zu regeln: OWCO (TV) und PET (Personal
emotional treaser). Durch die technischen Entwicklungen der letzten Jahre
wurden diese Communikatoren zum interaktiven Medium vereint. (Die Emotionen,
die beispielsweise dem Hund noch heute teilweise entgegengebracht werden,
entstammen seinem vormaligen Gebrauch als Personal emotional treaser).
Der Hund bzw. der PET, dessen Einsatz als Communikator aus dem TV-Zeitalter
nicht wegzudenken ist, stellt sich heute vor allem als Überschuss
dar. Seine artgerechte Entsorgung wird wenig Schwierigkeiten bereiten,
da es sich bekanntlichermaßen um Biosubstanz handelt. Soviel zum Videospiel, welches kommunikationstechnisch eine menschliche Niederlage ist. Es zeigt im Symptom des Game-Junkies, wohin die Kommunikationsstruktur im Kapitalismus tendiert: zur Auslöschung von zwischenmenschlicher Kommunikation und Behinderung der Bildung eines kritischen Bewusstseins. Fazit und Zieldefinition: Unterschiedliche elektronischer Medien müssten
auf ihren Kommunikationswert getestet werden. 2. Dezember 2001: Das Protokoll des letzten Treffen wurde verlesen und ausgiebig diskutiert. Folgender Text wurde vorgetragen: Das lügende Sprichwort. Beim nächsten Treffen sollen konkrete Vorschläge unterbreitet werden.
6. Januar 2002: Das 1. Modell für die Kommunikation der Resultate der NEUEN METHODE wird vorgestellt: Ein Kollektivmitglied erklärt, dass er am 15. Februar 2002 in der Medienwerkstatt, Torstraße 150 eine Live-Performance machen werde: interaktives Kino. Die Idee besteht darin, Narratives VJ-ing(*1)zu machen. Ausgehend von einer Gesprächssituation mit dem Publikum werden Ausschnitte aus einem Film gezeigt, Überleitungen erzählt oder dargestellt. Je nachdem, wie das Publikum reagiert, bekommt der Abend eine andere Wendung. Die Geschichte, die erzählt wird, steht fest. Das Publikum aber bestimmt, welcher Aspekt der Geschichte ans Licht kommt. Das verwendete Material ist authentisch, die Kamera beobachtete ausschließlich Realprozesse. Es ist auf verschiedenen Kassetten so angeordnet, dass sich daraus theoretisch ca. 16. 000 verschiedene Möglichkeiten ergeben. 3. Februar 2002: Wenn man heute das Thema Video/Film berührt, sollte man auch über eine Beschränkung nachdenken. Wenn man davon spricht, dass gewisse Filme diskussionsanregend seien, dann sollte man im Auge behalten, dass ein fernseh- und kinofreier Tag noch viel stärker die Diskussion anregen würde. Das Ziel elektronischer Medien kann es nicht sein, dass das Kommunikationsniveau zwischen uns Menschen absinkt. Die Medien sind Kommunikationsmittel und sie sollten nicht zu ihrer Verhinderung eingesetzt werden. Der Markt tendiert zur Umsatzmaximierung. Das könnte dazu führen, dass die Maschinen nicht mehr nur Kommunikationsmittel zwischen Menschen sind, sondern ihre Stelle einnehmen. Ein interessanter Film, in dem ein Zustand (als Symptom) entworfen wird, in den die Gesellschaft triebe, überließe sie dem Markt das Feld allein, ist: Otaku von Jean Jacques Beineix. Der Film wurde zusammen gesehen. Der Otaku ist ein japanisches Phänomen, dem vor allem Männer zum Opfer fallen. Der Otaku lebt in einer Scheinwelt eines Teilbereiches der japanischen Populärkultur, sein Bestreben ist es, sein sehr spezialisiertes Interessengebiet vollkommen zu beherrschen und alles andere weitmöglichst auszublenden. Seine Sexualität ist von digital stimulierter Onanie geprägt. Anderen Menschen geht er möglichst aus dem Weg. Die massenmediale Elektronik hat ihn weitgehend isoliert. (vgl. Volker Grassmuck in: Neue, schöne Welt? Lebensformen der Informationsgesellschaft, Heitkamp Edition, Herne 1999, S.157-177 Dirk Matejovski (Hg.): Der Artikel Eine Lebensform der Zukunft? Der Otaku, wie auch: Volker Grassmuck, Schließungen und Öffnungen. Medientheoretische Anmerkungen zu Otaku und Fikusâ, in: Niels Werber & Rudolf Maresch (Hg.): Kommunikation, Medien, Macht, FFM 1999, S.220-244.) Hier also sehen wir die Tendenz des Kapitalismus: Wenn wir keine OTAKUs werden wollen, dürfen wir dem Markt nicht den Einsatz von Medien überlassen! Von der Frage, wie wir die Früchte der elektronischen Revolution ernten, hängt das Menschenschicksal ab. Der Otaku ist das Gegenteil des NEUEN METHODIKERS
Der NEUE METODIKER stellt sich also als ANTI-Otaku dar. Wollen wir, um der Gewinne wegen, bloßer
Zahlenakrobatik und Statussymbole, die das Selbstbewusstsein, so wie so
nur noch mühsam stützen, auf einen Zustand völliger menschlicher
Isolation zusteuern? Oder wollen wir einen Zustand, in dem mit allen über
alles Entscheidende gesprochen wird?
Die Performance am 15. Februar wurde als Erfolg gewertet. Die Publikumsreaktionen waren stark geprägt von den genutzten Tabus des Inhaltes der Geschichte. Utopische Kommunikationsformen sollen entwickelt werden. Folgende Themen wurden sowohl als wesentlich und philosophisch vorgeschlagen: Sinnmodelle unserer Existenz. Diese Liste ist Resultat eines brain-stormings und ist unbedingt ergänzungswürdig. Die Gründung eines Vereines wurde beschlossen. Der Verein soll sich bei der Sitzung am 2. Juni gründen. Am 7.April legte eine Gruppe von Kollektivmitgliedern folgenden Entwurf vor: Salon der NEUEN METHODIKER Kollektiv der Neuen Methodiker
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