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Narratives VJ-ing / Interaktives
Kino
* Narratives Vj-ing ist so konzipiert, dass auch
ein Ungeübter auf persönliche und spannende Art und Weise zum
selbstverantwortlichen Sender und Erzähler werden kann.
* Das Narrative VJ-ing ist eine Form, Videos, die nach der NEUEN METHODE
verfertigt wurden, interaktiv zu präsentieren. Es setzt also eine
besondere Form der Produktion und Postproduktion voraus und wirkt auf
diese zurück. Die mittels Narratives Vj-ing präsentierten Arbeiten
befinden sich im Prozess. Die Präsentation der Arbeiten kann immer
wieder auf die Produktion zurückwirken. Das erste gemeinsame Sichten
des Materials, das Zeigen des Materials innerhalb der Gruppe, halböffentliches
VJ-ing und endlich VJ-ing in einem größeren Rahmen, sind organische
Schritte von gruppeninterner Kommunikation zur öffentlichen Präsentation.
Die Verarbeitung der Kritik kann zum Nachdrehen, zur Veränderung
der Struktur und der Präsentation des Vj-ers führen. Gerade
dadurch eignet sich Narratives Vj-en auch für Personen, die nicht
gewohnt sind, in die Öffentlichkeit zu treten und zu präsentieren.
Narratives VJ-ing ist kein Produkt, sondern ein
Lebendiges - im Sinne des Benjamin-Wortes, dass das Werk die Totenmaske
der Konzeption sei; es geht immer auch um jene Inhalte, die als Unbewusstes,
Unkontrollierbares oder als Ent-Wurf über das Werk-Sein hinausdrängen
und die teilweise als Symptome, teilweise als bewusstes In-Zusammenhang-Setzen
im kommunikativen Vollzug wiederkehren.
* Narratives VJ-ing vermischt Elemente des Kinos
mit Elementen des Theaters.
1. Grundgedanken zum interaktiven
Kino
Die Kommunikationsqualität, die aufgrund von interaktiven Aufführungen
entsteht, ist stark von der Gruppengröße abhängig. Natürliche
Gespräche werden mit wachsender Gruppenstärke schwieriger und
verlieren mit der Überschreitung der 80 Personen-Stärke - einer
Größe, in der ihre Teilnehmer sich unter freiem Himmel gerade
noch verständigen können - weitgehend ihre Gesprächsqualität.
Obwohl in unserem Fall der Sprecher durch digitale Audio- und Videotechnik
unterstützt wird, soll - um wirkliche Wechselseitigkeit zu gewährleisten
- die Teilnehmerzahl für jede einzelne Veranstaltung des Narrativen
Vj-ings zunächst auf diese Größe begrenzt werden. Unter
Umständen ist eine Gruppe von 15-40 Personen ideal. Das Experimentieren
mit der Gruppenstärke wird Weiteres ergeben.
2. Die Technik des VJ-ings
* Ausgehend von der Gesprächssituation mit dem Publikum (in die während
des Abends immer wieder zurückgekehrt werden kann) werden Ausschnitte
aus einer autobiografischen oder pseudoautobiografischen Geschichte gezeigt
und Überleitungen erzählt bzw. gespielt. Je nachdem, wie das
Publikum reagiert, bekommt der Abend eine andere Wendung. Die Geschichte,
die erzählt wird, steht fest. Das Publikum aber bestimmt, welcher
Aspekt der Geschichte ans Licht kommt.
Im ersten Experiment wurde ausschließlich authentisches Material
verwendet. Es wurde auf verschiedenen Kassetten so angeordnet, dass sich
daraus theoretisch bis zu 16.000 unterschiedliche Möglichkeiten des
VJ-ens ergaben. Die Kamera beobachtete ausschließlich Realprozesse.
Genauso wie die Arbeit am Set eine improvisatorische
ist, ist auch die Präsentation ein lebendiges Erlebnis zwischen Bühne
und Publikum: unberechenbar und jedes Mal neu. Wie weit die Diskussion
der technischen Unterstützung bedarf - etwa dadurch, dass die Diskussionsbeiträge
auf die Leinwände übertragen werden -, hängt von der Person
des Vj-ers und der Konzeption der Präsentation ab. In jedem Fall
sollen die technischen Möglichkeiten dafür genutzt werden, die
Barriere zwischen Autor/Künstler und Publikum einzureißen:
Dies ist u.a. dadurch zu erreichen, dass die jeweilige sprechende Person
aus dem Publikum - in der anschließenden Diskussion -, spontan,
gleichwertig und auf der gleichen visuell-akustischen Oberfläche
wie der Vj-er übertragen wird. Der sonst passive Konsument bekommt
die Möglichkeit aktiver Mitgestaltung.
Dabei ist es erklärtes Ziel, eine Diskussion über gesellschaftliche
und medientheoretische Fragen anzuregen.
* Im Bezug auf die Geschichte her stellt der Vj-er,
der als Figur auch im Video vorkommt und das Material aufgenommen hat,
die Zukunft der Videofigur dar, wodurch die Möglichkeit entsteht,
den Zeitraum, zwischen Videogeschichte und Auftritt, erzählerisch
weitgehend frei zu gestalten.
3. Drehen nach der NEUEN METHODE
* Die Hauptidee besteht darin, dass Regisseur, Kameramann und Darsteller
(teilweise oder ganz und gar) eine Personalunion eingehen und (teilweise
oder ganz und gar) ohne Drehbuch, Licht und Schauspieler gearbeitet wird.
Es geht immer um die Inszenierung von Realprozessen. Diese Realprozesse
werden durch den jeweiligen Regisseur vage geplant und ausgelöst.
Dies rückt die Produktion in die Nähe von Performances.
* Die Neue Methode erforscht - bemüht um Vorurteilslosigkeit - menschliche
Wirklichkeiten, die sie mitunter real-inszenatorisch pointiert. Die Kamera
wird immer von den handelnden Personen geführt bzw. aufgestellt,
wodurch performative Authentizität und künstlerische Stringenz,
insbesondere im Hinblick auf die Perspektive, erreicht werden kann. Die
NEUE METHODE vermischt Fiktion und Wirklichkeit auf immer wieder neue
Weise; sie nimmt Partei für diejenigen, die keine Lobby haben. Näheres
ist in den Manifesten der NEUEN METHODIKER
nachzulesen.
Grundsätzlich kann zwischen narrativen und
nicht-narrativen Formaten unterschieden werden. Narrative Formate verlangen
weniger intellektuelle Qualitäten, aber dafür mehr inszenatorisches
Geschick.
4. Die NEUEN METHODIKER
*DIE NEUEN METHODIKER sind lange Zeit jeweils am ersten Sonntag des Monats
zusammengekommen, um ihre Video/Performance-Aktivitäten zu koordinieren.
In letzter Zeit sind unterschiedliche Projektgruppen entstanden, die sich
nach den eigenen Bedürfnissen organisieren.
*Die NEUEN METHODIKER haben ein Regelwerk entwickelt,
wie man auf vollkommen neue Art und Weise audio-visuelle Medien nutzt,
indem sie Videos gemäß der NEUEN METHODE herstellen.
Die NEUE METHODE ist die Aufforderung an jeden, aus der erstickenden Passivität,
die medial eingeübt wird, herauszutreten und die Macht der Produktion
in die eigene Hand zu nehmen. Dies wird sowohl als künstlerische
als auch als politische Tat gesehen.
Vorbild war u.a. die illegale Performance "Ein sehr kurzes Stück
für Bankdirektoren" (Konkursbuch Nr. 35, www.bank-ueberfall.de),
mit der im Okt. 2001 der internationale attac-Kongress (www.attac-netzwerk.de)
in der TU Berlin als Dauerinstallation eröffnete, und das 2002 in
der NGBK
(Berlin), 2004 auf dem NEURO-Festival
(München) und Viper
Basel und 2005 auf den Rencontres
Internationales Paris-Berlin
(Paris) gezeigt wurde. Auch in dem Projekt wurde mit Wirklichkeitsverschiebung
gearbeitet.
Nach Prinzipien der NEUEN METHODE hat jeder die Möglichkeit,
Videos zu machen und auf diese Weise zum Sender zu werden. Der Verein
"Kollektiv der NEUEN METHODIKER" ist bei Teambildung, Planung
und Postproduktion behilflich und unterstützt ausgewählte Projekte
beratend, praktisch und mit Equipment.
* Das Kollektiv der NEUEN METHODIKER e.V. ist seit 2004
als gemeinnützig anerkannt.
5. Regeln für das Drehen
von VJ-ing-fähigem Material
Als erstes muss entschieden werden, was geplant wird und was dem Zufall
überlassen werden soll. Bereiche, die der Planung unterworfen werden,
sollen sich deutlich von denen, die dem Zufall überlassen werden,
unterscheiden. Kostüm, Maske und Lichtverhältnisse sind Bereiche,
die sich für die Planung anbieten.
Die Kamera muss immer von einer Person in der Szene
geführt werden, kann von dieser aber auch auf ein Stativ gestellt
werden. Es gibt in der Regel keinen Regisseur oder Kameramann, der nicht
Teil der Szenen ist (Konzeption des Handelnden Beobachters).
Die Kamera soll möglichst nicht ausgestellt werden und "Wichtiges"
soll nicht voreilig von "Unwichtigem" unterschieden werden.
Das Motto des Drehns ist TAPE IT ALL.
Die Technik des Narrativen VJ-ing und die mit ihr verbundene
Methode des Drehens vermitteln wir regelmäßig in Workshops.
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