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Das Manifest wurde ursprünglich auf der Sitzung vom 3. Juni 2001 formuliert und beschlossen und befindet sich seit dem im Prozess der gemeinsamen Weiterverarbeitung. Wir haben uns bemüht, den Charakter des Originals weitgehend zu erhalten.


Manifest der Neue Methode

Ein Manifest ist immer der Versuch, im Gestus
des Lehrens zu lernen. (ein Kollektivmitglied)

Dogma 95 ist ästhetizistisch. Die Neue Methode
untersucht die Wirklichkeit. Dogma 95 ist der Look
der Authentizität. Die Neue Methode heißt, der
Wahrheit vor der Wahrscheinlichkeit ein Recht
einzuräumen. (ein Kollektivmitglied)

§ 1) Die Kommunikation steht im Zentrum, nicht das Produkt
1.1 Die Neue Methode erfühlt das andere in der Kommunikation, nimmt sie auf, versucht sie zu begreifen.
1.11 Die Neue Methode ("methodisches Filmen") versucht nicht Wirklichkeit überzeugend nachzustellen. Sie versucht nicht, einen authentischen Look zu kreieren. Das Interesse an der Realität ist nicht Mittel zum Zweck.
1.2 Das Ziel des methodischen Films ist die Zerstörung bürgerlicher Selbstzufriedenheit, was auch in der Themenwahl zum Ausdruck kommen soll.
1.3 Alle Vorgehensweisen sollen möglichst genau dokumentiert und schriftlich fixiert werden. Die Arbeitsbeschreibungen werden allen Mitgliedern zugänglich gemacht und archiviert.

§ 2) Vorbereitung
Die Planung betrifft Ziel bzw. Aussage, Inhalt, und Arbeitsweise.

§ 3) Regie
Die Inszenierung besteht darin, einen Realprozess zu planen, in Gang zu setzten bzw. nicht zu stören.

§ 4) Kamera / Selbstreflexion
4.1 Erfühlen, Aufnehmen und Begreifen des Realprozesses ist die Kraft und leitende Idee der Kameraführung.
4.2 Derjenige, der die Kamera führt, weiß nicht, was er aufnehmen wird, er ist äußerlich frei und allein gebunden an den Wunsch, die tatsächlich stattfindende Kommunikation einzufangen und zu erkunden.
Während des Drehs muss er vergessen, dass er einen Film dreht. Die/der Kamerafrau/mann muss so drehen, als wenn sie/er eine Geschichte, die sie/er für relevant hält, für sich selbst oder für einen Freund dokumentiert.
4.3 Formale Eingriffe sind der Versuch, etwas Relevant erscheinendes zu vermitteln, deutlich zu machen oder zu betonen.
4.4 Die Kamera "spielt mit". Es muss immer klar sein, wie es zur Aufnahme kommt. Die Kamera wird im Allgemeinen von den handelnden Figuren geführt.
4.41 Filmische Illusion wird nicht akzeptiert.
4.42 Werden Aufnahmen nachgestellt, ist dies zu kennzeichnen.

§ 5) Postproduktion / Parteinahme
5.1 Der Schnitt vermittelt die Geschichte als Erlebnis.
5.2 Die NEUE METHODE ist entschiedene Parteinahme für diejenigen, die keine Lobby haben. Dies soll auch in der Montage zum Ausdruck kommen und hat auch ästhetische Konsequenzen. Hierzu gibt es unterschiedliche Strategien.
5.21 Rhetorische Montage, in der die bewusste Aussage im Vordergrund steht, eignet sich vor allem für kurze programmatische Beiträge.
5.22 Narrative Montage, die ihre Logik aus dem mehr oder weniger öffentlichen Zeigens des Materials enthält (hier kann mit unterschiedlichen Adressaten imaginär oder real gearbeitet werden).
5.23 Musikalisch-mathematische Montage, die Prinzipien der Musik und der Mathematik auf Audio-Visualität überträgt.


§ 6) Jenseits des dokumentarischen Voyeurismus
6.1 Der Macher begibt sich in das, was er dokumentiert, hinein. Er setzt sich psychisch und physisch aus (vgl. Handelnder Beobachter)
6.2 Der methodische Film liebt die Illegalität.
6.21 Illegalität in der Produktionsweise ist Ausdruck für die Missachtung von Gesetzen, die eine Welt schaffen, die der filmische Methodiker ablehnt.
6.22 Illegalität kann man auch als performative Untersuchung des Rechtssystem verstehen, auf dessen Seite dann Handlungsbedarf entsteht.

§ 7) Öffentlichkeitsarbeit
7. Kommerz und Eitelkeit sind für die künstlerisch-politische Arbeit vernichtend, deshalb: alle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erfolgt (wenn überhaupt) anonym.
Die Frage der inneren Struktur des Kollektiv und seine Darstellung nach Außen sind Gegenstand ständiger Verhandlung. Es geht darum, Eitelkeit und finanzielle Vorteile einzelner als Energie zu benutzen und in eine Struktur einzubinden, die den Markt weder inhaltlich noch ästhetisch affirmiert. Hierfür spielt die Transparenz der Regeln und Strukturen eine Rolle.

Das Kollektiv der Neuen Methodiker, ursprünglich formuliert am 03. Juni 2001, seitdem weiterentwickelt, letzte Änderung: 17/08/04.

Original und weitere Protokolle der NEUEN METHODIKER