| 2004-08-17
/ JvA
Die NEUE METHODE
Viele Menschen filmen heute mit Videokameras, haben
Ideen für Drehbücher, arbeiten an ihnen, drehen Kurzfilme oder
entwerfen Filmprojekte. Diese sehr unterschiedlichen Menschen gehen in
der Regel drei unterschiedliche Wege: Entweder entwickeln sie (oft aus
Zufällen heraus) sehr eigene Ausdrucksmethoden und produzieren Material,
das dann in der Schublade endet, weil ihre Arbeit an die heutige Benutzung
von Audio-Visualität in Kino und TV keine Anschlussmöglichkeiten
findet und von anderen als "unprofessionell" empfunden wird
oder aber sie wollen "Profi" werden, machen so lange Praktika
und Seminare bis sie "wissen wie man Filme macht" und stellen
dann genauso politisch und künstlerisch uninteressante filmindustrielle
Produkte her, wie alle anderen oder aber sie versteifen sich darauf "ihr
eigenes Ei zu legen", scheitern oft daran oder bekommen wenig Beachtung.
Natürlich gibt es Gegenbeispiele des Erfolgs,
der aber immer mit dem Preis der Anpassung an die existierenden Formate
bezahlt wird.
Die Frage, die wir uns stellen, ist, wie die
vielen vereinzelten Potentiale, ohne sie zu uniformieren, in irgendeiner
Weise gebündelt werden könnten und alternative, weitgehend offene
Formen der Produktion entstehen könnten, in denen Individualität
und Kollektivität keinen unvereinbaren Widerspruch bilden. Diese
Frage erzeugt unmittelbar weitere Fragen: Wie könnten Formen der
Zusammenarbeit entstehen, die nicht mehr vom Entwurf eines Produkts und
Resultats, sondern vom künstlerischen und sozialen Prozess selbst
ausgehen? Der für diese Entwicklung
entscheidende Punkt ist das Entwickeln von Methoden des Drehens, der Postproduktion
und der Distribution, die jenseits vom Markt einer neuen und selbstverantwortlichen
Logik folgen und nicht mehr zwischen Publikum und Akteuren, zwischen Kreation
und Distribution unterscheiden und gleichzeitig ein Archiv speisen, aus
dem unterschiedliche Distributionsformen bedient werden können.
Beispiel: Kollektivität
1. Produktionsarchive. Eine Videogruppe einigt
sich auf ein Thema, ein Motiv, auf eine Frage oder eine Geschichte,
die sie erzählen will. Jeder produziert, unterstützt von den
anderen, Material. Das Material wird in ein Produktionsarchiv eingepflegt.
Jeder kann für die Arbeit das gesamte Material des Produktionsarchivs
nutzen.
Kommentar: Es gibt zwei gegeneinander sich stemmende
Größen: die Unfertigkeit des Materials und die Größe
und die Vertrautheit (und das Vertrauen) der Gruppe. Die Möglichkeit,
auch erster Ideen, Drehbuchentwürfe, Backstage-Video- und Audiotracks
in das Archiv einzubeziehen, besteht vor allem dann, wenn die Gruppenmitglieder
sich gut kennen und die Gruppe klein ist.
2. Experimentelle Formate, quelloffen:
Im Gegensatz zu den Materialien, die den einzelnen Projektgruppen zustehen,
werden die Methoden und Formate möglichst offen weiterentwickelt
werden. Das heißt auch, dass alle
Arbeitsschritte dokumentiert, schriftlich fixiert und offen ausgetauscht
werden.
Jede Arbeit beginnt mit der Entscheidung für
ein Produktionsformat. Dieses Format kann als Experimentelles schon
entwickelt worden sein, ein bereits in diesem Zusammenhang Entwickeltes
kann weiterentwickelt und an die entsprechenden Bedürfnisse adaptiert
werden oder aber experimentelle Produktionsformate können vollkommen
neu entwickelt werden. Aufgabe der Produktionsformate ist es, Materialien
für ein Archiv zu produzieren, das unterschiedliche Distributionskanäle
bedienen kann.
3.Transparenz
Die Regeln, nach denen eine Gruppe, verstanden als soziales System,
sich ausrichtet, müssen expliziert werden und für den einzelnen
Teilnehmer einsehbar sein. Dies betrifft insbesondere auch Urheber-
und Verwertungsrechte, Spielregeln etc. Die Regeln der Zusammenarbeit
befinden sich in einem ständigen Prozess der Aushandlung. Metaregeln
regeln das Verhältnis von Flüssigkeit und operativer Anwendung.
Diese Form der Steuerung würde sich von
der klassischen Form der Kontrolle abheben, die etwas Vorgefundenes
in etwas Ausgedachtes verwandeln will - ein Ansatz, der sich in Bezug
auf komplexe dynamische Strukturen als unzweckmäßig und sogar
gefährlich erwiesen hat.
Kollektivität - Zusammenfassung
Eine Person allein steht oft vor der Alternative, entweder sich anzupassen
oder aber zu scheitern. Mit Hilfe von methodisch reflektierter Zusammenarbeit
eröffnet sich ein dritter Weg, auf die geregelte Zugänglichkeit
von Material in Projektgruppen (Produktionsarchive) und der ständigen
Arbeit an der internen sozialen Struktur. Das Team versteht sich selbst
als soziales System, das sich mit bestimmten Regeln selbst steuert.
Grundlage der NEUEN METHODE ist unser 2001 formuliertes
Manifest, das sich auf unserer internen Seite in ständiger Weiterentwicklung
befindet. Die aktuelle Version, gibt es hier.
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| 2004-07-6
/ tnvh, LDDS, JvA
Die NEUE METHODE
* wurde begrifflich im Kollektiv
der NEUEN METHODIKER zunächst in Bezug auf die eigenen Video-Arbeiten
geprägt. Es wurden Arbeitsweisen entwickelt, mit deren Hilfe es möglich
wird, mit minimalem zeitlichen und finanziellen Aufwand zu produzieren
und zu präsentieren.
Eine wichtige Rolle spielen:
■ das Drehen
nach der NEUEN METHODE, eine auf Regeln basierende Arbeitsweise,
die jeweils an die eigenen Bedürfnisse und Ziele angepasst werden kann.
■ das Narrative VJ-ing,
eine Live-Präsentationsart, die sich organisch mit bestimmten Methoden
des Drehens und der Postproduktion und kinematographischen und theatralischen
Techniken verknüpft.
■ Diskursive Videos, die diskursive
Prozesse in Anwesenheit und Abwesenheit ermöglichen.
■ Situative Videobriefe, in denen Video (scheinbar)
als Individualkommunikationsmittel benutzt wird und der Ort, von dem aus
gesprochen wird, eine besondere Rolle spielt.
■ multiauktoriale Produktions- und Präsentationstechniken
(transfiction).
*entwirft Eher-Besser-Szenarios der Kommunikation und
beschäftigt sich mit der Frage, wie diese hergestellt werden und
sich reproduzieren können. Hierbei spielt die Entwicklung von Methoden
und Formaten und Produktionsarchiven eine zentrale Rolle...
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2004-02-23
/ tnvh
Die
NEUE METHODE
*verknüpft soziologische, kommunikationswissenschaftliche und medientheoretische
Ansätze mit einer medialen Praxis. Hierbei geht es vor allem darum,
die digitalen Medien als Chance für Meta-Planbarkeit von Kommunikation
zu verstehen und Variationen und Wechselseitigkeit zu befördern.
Um die theoretischen Ansätze voranzutreiben,
führte das Kollektiv der NEUEN METHODIKER 2002-2003 das Colloquium
"Wie
ist eine Wissenschaft vom menschlichen Glück möglich?"
in der FU Berlin im Fachbereich Soziologie durch. Das Besondere an dem
Colloquium, das auch als Performance verstanden werden kann, war, dass
es kollektiv gegeben wurde und der ständige Einsatz der Kamera.
*bietet ein offenes, heterogenes Podium zur Entwicklung,
Verknüpfung und Umsetzung neuer Methoden der Audio- und Videoproduktion
und -präsentationen.
Diese betreffen:
■ Erzählweise
■ Spielweise
■ Produktion
■ Postproduktion
■ Präsentation
*besteht in einer suchenden Bewegung nach
neuen Methoden der Benutzung von Audio-Visualität. Die NEUE METHODE befindet
sich im ständigen Fluss und bleibt deshalb immer neu.
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