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About

Talkformate haben im Radio eine lange Tradition. Normalerweise bestehen sie darin, dass ein oder zwei Moderatoren in einem Studio sitzen und mit Anrufern sprechen. Die Macht, wer wann durchgeschaltet und wann das Gespräch beendet wird, liegt auf Seiten des Moderators und seiner Gehilfen. Das Machtgefälle vom Moderator zum Anrufer ist durch die Situation festgeschrieben. Es ist ein Spiel, in dem die Regeln von einer Seite festgelegt werden. Auch akustisch kommt dies zum Ausdruck: Die Stimme des Moderators hat Studioqualität, die des Anrufers ist auf den Frequenzbereich des Telefons reduziert.

 

HASENHEIDE TALK ist das experimentelle Pilotprojekt für ein neues Talkformat, bei dem es darum geht, mit Menschen, die etwas zu sagen haben, in ihrer jeweiligen Umgebung zu sprechen. Hierbei folgen wir der Konzeption des Handelnden Beobachters. Durch die lebensweltliche Situation ist alles Sprechen in Kontexte eingebunden, die nicht unserer Kontrolle unterliegen.

HASENHEIDE TALK nimmt Partei für die, die keine Lobby haben. Meinungen und Beiträge werden nicht zensiert oder im Nachhinein manipuliert. In der Regel handelt es sich um ungeschnittene ca. einstündige Aufnahmen, sogenannte One-Shots.

HASENHEIDE TALK ist eine neue Form eines Offenen Radios, das auf Spielregeln basiert. Alle Sendungen werden im Kreuzberger Stadtpark Hasenheide aufgenommen.

HASENHEIDE TALK hat das Ziel, einen öffentlichen Diskurs zur Frage der globalen Freizügigkeit zu entfachen und denjenigen, die in den Massenmedien nur als ihr eigenes Cliché in Erscheinung treten dürfen, ein Podium zu bieten.

HASENHEIDE TALK nutzt den Zufall, um nicht allein mit den Menschen zu sprechen, die sich öffentlich darstellen wollen, sondern gerade die zu fragen, die diesen Drang nicht verspüren; denn Selbstdarstellungsdrang und „etwas zu sagen haben“ sind zweierlei. Unsere These ist, dass, wer nicht gefragt wird, mitunter vergisst, was er zu sagen hätte.

Themen

HASENHEIDE TALK soll um eine einzige Frage kreisen: „Sollte es (politische) Grenzen geben?“
Anders formuliert: Ist es richtig, dass durch Papiere und Staatsbürgerschaften Rechte begründet sind, die diejenigen, die diese Papiere und Staatsbürgerschaften nicht haben, nicht besitzen?

Diese Frage kann emotional, juristisch, politisch, persönlich, theoretisch und ethisch beantwortete werden. Es ist eine Frage, zu der Kinder und Erwachsene, Intellektuelle und Arbeiter, Studenten und Skinheads, Inländer und Ausländer, Besitzende und Obdachlose, Männer und Frauen auf sehr individuelle und unterschiedliche Weise antworten können. Diese Frage kann zum take off für die unterschiedlichsten Gespräche werden.

Weitere Themenkomplexe:
Lebensgeschichte und -bedingungen
Soziale Inklusion/Exklusion
Lebenstraum / Was hindert mich, meinen Traum zu verwirklichen?
Stadt / Park / Hasenheide
Suizid / Was sollte sich ändern? / Soziale Utopie
Verlust
Identität / Unterscheidung zwischen Selbstbild und Fremdbild
Wie verändert das Aufnahmegerät die Situation des Sprechens?

 

Stadtpark Hasenheide

Die Hasenheide ist ein klassischer Berliner Stadtpark, in dem sich sehr unterschiedliche Menschen aufhalten. Diese sehr unterschiedlichen Menschen kommen bei uns ohne Zensur zu Wort. Darüber hinaus spielt die Klanglandschaft Hasenheide (musizierende und singende Menschen, insbesondere in der Hasenheide häufig stattfindende Jam-Sessions, Klanghintergründe wie bellende Hunde, singende Vögel, spielende Kinder etc.) eine klanglich-kompositorische Rolle.

 

Regeln

1. Alle Aufnahmen sollen im Park Hasenheide und in seiner unmittelbaren Nähe (ungefähr 200 Meter) gemacht werden. Damit sind auch der Südstern, der Hermannplatz und das Columbia Bad (Sommerbad Neuköln) in das Territorium möglicher Aufnahmen eingeschlossen.

2. Wir verzichten auf jede Form des manipulativen Schnitts. Entweder schneiden wir überhaupt nicht und nähern uns damit dramaturgisch einem Live-Format an oder aber wir verwenden ein mathematisch-musikalisches Prinzip.

3. Auf diese Weise entstehen zwei Formate: HASENHEIDE TALK – uncut ! und HASENHEIDE TALK – Komponierte Wirklichkeit.
Sollte es aus inhaltlichen oder dramaturgischen Gründen sinnvoll erscheinen, im uncut!-Format Kürzungen vorzunehmen, wird dieses beispielsweise durch hörbares Spulen angezeigt. Damit verzichten wir auf jede Manipulation durch Schnitt. Auch innerhalb des Formats Komponierte Wirklichkeit soll nur Musik verwendet werden, welche in der Hasenheide aufgenommen wurde.

4. Jeder, der will, kann anonym bleiben.

5. Jeder, der will, kann andere interviewen.

Alle Aufnahmen können kostenlos für unkommerzielle Zwecke genutzt werden. Dies schließt auch das Senden durch Freie Radios ein. Alle Beteiligten erlauben eine Nutzung durch öffentlich-rechtliche Sendeanstalten.